Als jemand der von der 5. Klasse (damals Sexta!) an Latein gelernt hat wird man mit dieser Frage öfters konfrontiert. Man hört meistens die Argumente, dass es eine tote Sprache und zu nichts nutze ist und dass Zeitaufwand und Ergebnis einfach in einem krassen Missverhältnis zu einander stehen. Szenenwechsel: Wir befinden uns in einem Fitness-Studio. Die Leute rennen, stemmen, wuchten, dehnen, heben, drücken etc. etc. und alles ohne auch nur produktive Arbeit zu verrichten. Es wird kein Strom produziert, kein Graben ausgehoben, keine Entfernung zurückgelegt, nichts gebaut – nichts, nothing, nada. Und trotzdem werden die meisten Menschen sagen, dass die Aktivitäten im Fitness-Studio äußerst sinnvoll sind, dienen sie doch der körperlichen Ertüchtigung und langfristig auch dem Wohlbefinden des Menschen. Wieder Szenenwechsel: Lateinstunde. Die Schüler schwitzen, übersetzen, überlegen, formulieren, kämpfen mit den Formen und was kommt dabei raus – viele würden sagen: nichts, nothing, nada! Dass dieses aber zur geistigen Ertüchtigung dient und das Gehirn gehörig trainiert, wird tunlichst verschwiegen. In meiner aktiven Zeit als Lehrer wünschte man sich immer die Lateinklassen, weil die einfach die leistungsstärkeren Schüler waren – nicht nur in Latein, sondern in allen Fächern. Trotzdem ist interessant, dass Übungen zum Gehirntraining lange nicht so akzeptiert sind wie Übungen zum Körpertraining. Woran das liegt, sei mal dahingestellt, aber ich würde jederzeit eine Lanze für das Lateinlernen brechen, wobei ich die praktischen Vorteile, die das später im Leben hat, noch gar nicht erwähnt habe.